Der fiktive Boom ohne viel Wirtschaft..

Diese bahnbrechend floristisch gute Idee sollte das Leben zurück in eine zu diesem Zeitpunkt bereits tote Metropole bringen. Mit Bussen und allerlei Gefährt sollten sie kommen.. die vielen wissbegierigen und nach einem unvergesslichen Erlebnis süchtigen Träger des erhofften Kapitalschubs.
Fortan sollte sich Gera als Metropole der Botanik sowie eines einhergehenden steigenden Wohlstandes erfreuen.
Was den Menschen da in blumigen Worten verkündet und in Aussicht gestellt wurde, verlas sich wie das frisch aus der Taufe gehobene Wirtschaftswunder schlechthin. In Gera hatte man den Durchbruch erlangt, denn der mit diesem Gedanken verbundene und erhoffte Reichtum bedeutete zugleich für jeden Menschen in Gera frische Blumen bereits am Morgen direkt neben dem Teller mit dem Spiegelei auf frischem Toast.
Saisonal betrachtet hatte diese Idee sicherlich eine Berechtigung, doch aus der Position der Vernunft und einer politischerseits zu verfolgenden Nachhaltigkeit wurde den Menschen lediglich ein weiterer Bär mit vielen schwer zu durchdringenden Haaren aufgebunden, von denen es in der 20 jährigen kapitalistischen Geschichte von Gera bereits sehr viele gab.
Denn es kam alles ganz anders. Statt des erhofften Erfolges stellte sich wieder die alte Ordnung her. Die Menschen durften ihrem gewohnten Alltagstrott folgen und im Zuge der abermals "florierenden" Arbeitslosigkeit im neu errichteten Park sitzen oder auch wahlweise von der versprochenen Wirtschaftskraft träumend und nach ihr schmachtend mit einem Tagesticket bewaffnet die unergründlichen Wege des Geraer Straßenbahnnetzes, welches gerade mit 50.000.000,- € ausgebaut wurde, erkunden und neue Kraft sowie eine tiefe Inspiration für die nun folgenden 20 Jahre ihres Lebens sammeln. Der Hauptgedanke, den man seitens der städtisch Verantwortlichen wohl in den Menschen vermutete, war der philisophischen Frage geschuldet, was man denn nun in weiten Kreisen der Bevölkerung mit soviel Straßenbahn und Blumen anfangen möge und welchen träumerischen Wert dieses ganze flora-mentale Werk für die Bewohner Gera's auf langfristige Sicht haben könne?
Das sich für die Menschen nach vielen Monaten Bundesgartenschau nicht viel gändert hat, ist unbestritten und es sollte die Frage aufwerfen, inwieweit man die Prioritäten in der Verwaltung von Gera angemessen beurteilt bzw. setzt? Natürlich kann man den bisher realisierten Projekten auch positive Seiten abgewinnen. Allerdings sollte man im Rathaus endlich die Scheuklappen abwerfen und die Stadt im Gesamtkontext betrachten, der trotz allgemein guter optischer natureller Atmosphäre ein schauderhaftes Bild in der sozialen Konstellation Gera's liefert. Eine Bevölkerung kann sich nunmal nicht von Blumen und Tannenzapfen ernähren und trotz allem kulturell Geschaffenen sollte man langsam beginnen, die eigentlichen strukturellen Probleme in Gera zu lösen, statt die bestehenden durch völlig verfehlte Entscheidungen weiter auszubauen.
Wenn man trotz steigender sozialer Problematik konsequent auf Einkaufszentren und den öffentlichen Nahverkehr setzt und die Gelder damit einhergehend völlig idiotisch nutzt, sollte man sich in den administrativen Zonen von Gera im Ergebnis nicht darüber wundern, wenn die Menschen scharenweise aus der optisch optimierten Stadt weglaufen und man das soziale Gefüge sowohl weiter schwächt als auch nachhaltig auf viele Jahrzehnte irreparabel schädigt.
