Stadtbahn-Irrsinn

Was sich für den ein oder anderen zunächst etwas drastisch lesen mag, ist jedoch sehr notwendig treffend formuliert..

Engagements für eine Sache und eine Idee sind ehrenwert und in den meisten Fällen auch wünschenswert. Wenn sich allerdings die Bestrebungen primär immer auf die selben Ziele konzentrieren und gigantische Summen für Projekte aufgewendet werden, die keinerlei Nachhaltigkeit aufweisen, weil die diesen Maßnahmen zugrundeliegende städtische Struktur jede Durchführung verbieten würde, dann ist nur Eines sicher:

Man plant naiv am Bedarf und der realen Situation vorbei. Sei es aus persönlichem Eifer oder geheimen Verstrickungen, die dazu dienen, eine bestimmte Clientel (beispielsweise Bauunternehmen oder gute Freunde aus früheren Unternehmen) zu bevorteilen, während die anderen Menschen das Nachsehen dabei haben, den ganzen Quatsch bezahlen müssen und nicht einmal in Form eines Volksentscheids befragt werden, ob sie mit der durchzuführenden Maßnahme einverstanden sind.

Es mag einerseits lobenswert sein, daß sich unsere momentanen Stadtplaner intensiv in der optischen Gestaltung unserer Stadt betätigen und auch den letzten (für andere Zwecke nicht vorhandenen Euro) aus den Fördermitteln der EU und Budgets des Landes Thüringen pressen. In Frage stellen sollte man allerdings die Verwendung dieser Gelder schon.
Wie kann es beispielsweise angehen, daß bei einfachen Schulsanierungsmaßnahmen bereits mit dem Finger mahnend gezeigt wird, wenn es um Investitionssummen von wenigen hundertausend Euro geht, die finanziellen Mittel zum Bau einer völlig überflüssigen und zudem unangebrachten neuen Stadtbahn-Linie jedoch unerschöpflich zu sein scheinen.

Während Gera einen massiven Mangel an akademischen Bildungs- und Qualifikationsmöglichkeiten aufweist und schätzungsweise jeder zweite Schüler, der eines unserer (noch vorhandenen) Gymnasien verläßt, in eine andere Studienstadt wechselt und somit den demografischen Faktor durch seine Abwesenheit weiter verschlimmert, werden gigantische Summen in Straßenbahnprojekte gesteckt, die niemals zu refinanzieren sind, weil Gera jedes Jahr über tausend Menschen verliert. Die Kosten der bisher vollzogenen Investitionen in die Stadtbahnlinie 1 und die Restaurierung der Haltestelle "Sorge/Markt" schlugen beispielsweise insgesamt mit schätzungsweise 60.000.000,- € (Sechzigmillionen Euro!!!) zu Buche.

Im Jahre 2013 soll diese Summe ein weiteres Mal mit der Restaurierung der Wiesestraße um stattliche 20.000.000,- € aufgestockt werden. Das bedeutet zu deutsch, daß in den vergangenen Jahren insgesamt bis zu 80.000.000,- € in die Straßenbahn investiert wurden, während Gera im selben Zeitraum schätzungsweise 10.000 Einwohner verloren hat bzw. haben wird.

Diese Art von Stadtpolitik ist ein einziges Desaster und sollte aus diesem Grunde möglichst kurzfristig gestoppt werden. Gera braucht keine teuren Straßenbahnlinien, sondern die Grundlage für einen stetigen Bevölkerungszuwachs in Form einer großen akademischen Einrichtung, die einen massiven Zufluss junger kreativer Menschen zur Folge hätte.
Der ein oder andere von Ihnen war sicherlich bereits häufiger in studentisch geprägten Städten und ich denke, daß nahezu jedem klar sein sollte, wie wichtig eine derartige Entwicklung für Gera ist, weil dies die Grundlage für eine gesunde und für alle zufriedenstellende abwechslungsreiche Zukunft darstellt.

Aus diesem Grunde bitte ich Sie, den bisherigen Oberbürgermeister mit der Wahl am 22. April aus seinem Amt zu entlassen und mir die Möglichkeit zu geben, Gera den Stellenwert und die Entwicklung zu geben, die bereits seit 20 Jahren überfällig ist.